5.12.2015

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Willkommen     auf der Seite der Thüringer Autorin
Felicitas Kretschmann

zur Lesung in Bad Salzschlirf

Begegnung
Auf der Fußmatte vor der Haustür hatte die Dreijährige eine tote Maus gefunden, hob sie auf und trug sie ins Wohnzimmer. Ein echtes Tier, das nicht weglief, als sie es in die Hände nahm. Wie weich ihr Fell war. Das Mädchen legte die Maus vorsichtig auf den Tisch, strich mit einem Finger über den Körper, den Mauseschwanz entlang, tastete die Augen. Dann rollte sie das Tier mit beiden Händen seitwärts und wieder zurück, schob sie über die blanke Tischplatte, „nun geh schon, geh“!
Da stürmte ihr Bruder herein. Erschrocken rief er durch die noch offene Tür: „Oma, komm mal, schnell“!
Als die Großmutter das Tier auf dem Tisch liegen sah, dachte sie: sofort ab in die Mülltonne.
Aber dann erinnerte sie sich an den Spaziergang über den Friedhof und wie begierig die Kinder sie über das Leben und Sterben ausgefragt hatten.
Wenige Minuten später verließen die Drei die Wohnung. Oma trug die tote Maus in einem Kästchen. Der Junge grub im Vorgarten ein Loch und Oma tat das Kästchen hinein. Sie suchten Blüten im Garten und legten sie auf das tote Tier.  „Mm, die duften gut“. Der Bub schaufelte Erde darauf und sagte: „Wir müssen aber auch ein Kreuz auf das Grab stellen und schreiben: „Hier liegt eine Maus“.
„Hat die Maus dort unten auch Freunde?“ fragte die kleine Schwester, die gespannt zugesehen hatte,  wie das Tier in die Erde vergraben wurde. „Na klar, sagte der Bruder, „da ist doch ein Maulwurf in ihrer Nähe und bestimmt auch ein Regenwurm. Die leisten ihr bestimmt gute Gesellschaft.”.

Schrittebuch www

Neues Jahr
Das Jahr wird neu
bleib ich die Alte
ein kaltes Kleid
hängt dürr am Baum
ich taste mich 
mit zagen Schritten
der Acker hält sich
noch verschlossen
verkrustet ist der Weg

leise
erste Sterne

Advent
Ich schaue ins Licht
und träume:

du nimmst mich wie ich bin
ich vergesse die Kränkungen
die üble Nachrede
Überheblichkeit und Bitternis
verrieseln wie Sand
Feinde lächeln sich an
die Unsympathischen
winken einander zu
Gewalttätige singen Friedenslieder
am Stacheldraht
gedeiht der Lebensbaum

Altweibersommer
Herbst
legt graue Netze
um Hagebutten
kreisen Sonnen
flirren
durch den Blätterwald
werden zart umsponnen
Spinnen
spinnen Fäden 
weben
feine Zelte
Wind trägt sie
von Haus zu Haus

wie Alteweiberschelte

Die Stadt
Nicht gern
lebe ich
in ihr
ist keiner
wirklich daheim

rastlos
im Alptraum
schlagen
Türen
Herzen zu

Dichter
finden nicht
die Worte
fallen
in den Wind

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